Liebe Freunde und Unterstützer unserer Arbeit in Tansania!
Das
war die abenteuerlichste Reise meines Lebens! Der Hinflug Anfang Oktober begann unglaublich. Zweimal saß ich im startbereiten Flieger in München und zweimal mussten wir wieder aussteigen wegen
Drohnenalarm. Am dritten Tag nahm ich dann die Nachmittagsmaschine mit dem Ergebnis, dass meine Koffer in München blieben. Wenn mir aber jemand erzählt hätte, dass meine Rückreise noch schlimmer
werden würde, den hätte ich für verrückt erklärt. Und doch kam es so!
Am 29. Oktober waren Wahlen in Tansania angesetzt. Eigentlich mehr eine Krönungszeremonie als Wahlen, denn die amtierende Präsidentin Suluhu hatte ihre beiden Gegenkandidaten von der Wahl
ausgeschlossen, Opposition fand nicht statt. „Africa's first female Dictator“ titelten die Medien im Ausland. An jedem Lampenmast in den Städten war ihr Konterfei vielfarbig zu sehen, sie gab
Millionen für einen Wahlkampf ohne Gegenkandidat aus. Darauf stand die Jugend auf. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem eiligst herbeigerufenen Militär. Es endete
in einem Massaker mit mehr als tausend Toten. Die Polizei erschoss die Leute zum Teil in ihren eigenen Häusern. Das seit dem Bestehen der Republik friedliche Tansania war Geschichte.
Gott sei Dank war ich am 29. Oktober gerade vom Besuch unseres Waisenhauses in Imiliwaha zurückgekehrt und wieder in Kilimahewa. Hier war alles friedlich. Ich konnte nicht schlafen, bis mir
auffiel, dass kein einziger Lastwagen die vielbefahrene Straße vor der Missionsstation entlang fuhr. Gespenstische Stille. Die Lage googeln? Internet war im ganzen Land abgeschaltet. WhatsApp,
TikTok, Facebook, Instagram, nichts funktionierte mehr. Aus einzelnen Telefonaten erfuhren wir, dass es Tote in Daressalam gibt. Ziemlich verzweifelt versuchte ich meine Kinder zu erreichen, was
mit SMS gelang. So kamen die Informationen nach Kilimahewa, im ganzen Land war Nachrichtensperre. In Deutschland sorgten Unruhen und Massaker für nur einspaltige Meldungen, Afrika interessiert
nicht.
Und wie komme ich jetzt nach Hause? Flughäfen gesperrt, Fähren nach Sansibar blockiert, alle Tankstellen geschlossen. Doris, die Leiterin der Emirates Station in Wien war mein rettender Engel. Sie organisierte mir einen Platz in einer Maschine nach Kenia, die als einzige noch fliegen durfte. Aber wie zum Flughafen kommen? Der District Medical Officer bot mir an ein Ambulanzfahrzeug zu nutzen. Leider war der Tank nicht voll genug. Also riskierten wir es mit dem eigenen Jeep. Mein Fahrer schwitzte als die ersten Soldaten mit Maschinenpistolen uns stoppten. Aber sie ließen uns durch als wir das Flugticket zeigen konnten, genauso wie die nächsten drei Straßensperren. Dann ging es über Istanbul nach München und ich bin jetzt glücklich zuhause und kann diesen Newsletter schreiben.

Wie
wird es weitergehen in Tansania? Wird die Jugend wieder aufbegehren oder ist sie jetzt eingeschüchtert? Wenn du weder Geld noch Job noch Hoffnung hast, was kannst du verlieren? Dein Leben, ja, aber
welches Leben? Ich bewundere meinen Freund Erzbischof Thaddaeus Ruwaichi aus Daressalam grenzenlos: Er hat letzten Sonntag alle Priester des ganzen Landes aufgerufen einen Gedenkgottesdienst für die
getöteten Demonstranten zu halten und für die Verwundeten zu beten! Er selbst hat sich hingestellt vor die Gläubigen in der Kathedrale St. Josef und hat gerufen:
„Tansania hat Menschen verloren, die willkürlich getötet wurden - bei Protesten, sogar in ihren eigenen Häusern. Das ist unerklärlich und unverzeihlich. Eine Abscheulichkeit vor Gott. Wir
sprechen von Frieden, ignorieren aber die Gerechtigkeit. Ich wiederhole: Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden."
Inzwischen hat sich die Lage im Land normalisiert. Bei den Reiseveranstaltern wird heftig darum geworben, die Safari und den Badeurlaub auf Sansibar nicht zu stornieren. Das wird nur dann gelingen, wenn die Unruhen sich nicht fortsetzen. Das Auswärtige Amt warnt noch immer vor Reisen nach Tansania, es wird gerade in der Weihnachts-Hochsaison einen starken Einbruch geben. Und den wird weder die Präsidentin noch die Regierung spüren, sondern wie immer am meisten die Ärmsten.
Deshalb dürfen wir auf keinen Fall aufgeben und uns zurückziehen. Gottseidank ist keines unserer Projekte direkt betroffen, weil wir ja im Buschland tätig sind, wo die Ärmsten wohnen, und nicht in den großen Städten. Indirekt natürlich schon, weil Eltern, die ihren Job verlieren, kein Schulgeld bezahlen können, kein Geld für notwendige Operationen haben. In diesen traurigen Tagen für Tansania dürfen wir die Menschen nicht im Stich lassen. Ich werde den ganzen Februar wieder vor Ort sein. Gerade jetzt müssen wir den Menschen Hoffnung geben, dass sie nicht verlassen sind. Gerade jetzt müssen wir unsere Projekte weiter finanzieren. Stellt euch nur einmal vor, unsere Straßenkinder, die wir aus dem Straßengraben geholt haben und jetzt in unserem Waisenhaus glücklich sind, müssten wieder in den Straßengraben zurück, weil unser Waisenhaus geschlossen wird! Solange ich lebe und kämpfen kann, wird das nicht passieren!
Und nun zu dem eigentlichen Inhalt meiner fünfwöchigen Reise. Durch den dramatischen Ausgang treten die Ergebnisse fast in den Hintergrund, aber das ist nicht gerecht. Mit großer Freude habe ich die Entwicklung in Kilimahewa selbst ein paar Wochen beobachten können. Könnt ihr euch vorstellen, dass wir die im Februar gegründete Bäckerei jetzt verdoppelt haben, weil die Nachfrage so groß ist? Seit Juni liefert Abuu mit seinen fünf Bäckern jetzt Monat für Monat Deckungsbeiträge zu unseren Kosten ab. Das Gleiche Elias mit dem Shoppingcenter und Amandus mit der Schreinerei, die bis ins nächste Jahr ausgelastet ist. Auch unsere Handwerkertruppe hat jetzt mit der Renovierung des Straßenkinder-Hauses einen mehrmonatigen Auftrag zu erfüllen.







400 Kinder gehen in unsere Kindergärten in Kilimahewa, Mwarusembe, Kimanzichana, Kisegese und Kikoo. Kikoo wächst sehr stark und braucht dringend ein zweites Klassenzimmer und eine zweite
Lehrkraft. Wir versuchen, das nächstes Jahr zu schaffen. Unser Waisenhaus der Straßenkinder hatte Besuch vom neuen Pfarrer aus Kilimahewa David Joseph und Bischof Henry Mchamungu. Sie danken all
unseren Spendern für die großzügige Unterstützung! Dank der Pöschl Familienstiftung Landshut können wir die Renovierung in einem Rutsch durchziehen.
Dank unserer Spender konnten wir eine Sozialpädagogin und einen Lehrer einstellen. Die Kinder sind ja alle schwer traumatisiert vom Leben auf der Straße. Am Anfang verhalten sich manche mehr wie
Tiere auf Nahrungssuche, denn als Menschen. Aber es ist unglaublich, wie schnell der Wandel zu dankbaren und glücklichen Kindern geht. Glaubt mir, wenn ihr diese Kinder seht, werdet ihr genauso
weinen wie ich.








Das größte Projekt hat jetzt in unserem Krankenhaus begonnen. Wir bauen eine orthopädische Klinik. Derzeit muss jeder Knochenbruch hundert Kilometer bis Daressalam transportiert werden, zumeist
mit dem Moped, weil es keinen Knochenchirurgen gibt. Das ändern wir mit einem 20 Betten Neubau und der Inbetriebnahme unseres zweiten OPs durch Anschaffung einer Anästhesiemaschine. Ohne die
großzügigen Spenden der Familie Niedermayer und Heidi Lachner hätten wir das nicht geschafft. Unser Krankenhaus wird damit den Sprung zur Selbstfinanzierung schaffen.
Unsere Behindertenschule in Daressalam und unser Waisenhaus in Imiliwaha laufen betreut von den Schwestern und einer motivierten Mannschaft sehr gut und problemlos. Dem Diözesankrankenhaus in
Kisiju können wir zu Weihnachten mit einem zweiten Hilfspaket helfen, diesmal mit 15000 Euro für eine Labormaschine, EKG, Wehenschreiber und Krankenhausbetten.
Und zum Schluss noch der große Traum: Ein Gymnasium für Kilimahewa. Aufgrund der Anforderungen mit speziellen Klassenzimmern für Biologie, Chemie, Physik, Labor, Computerlab und Bibliothek ist das natürlich eine ganz andere Nummer als eine Grundschule. Wir rechnen mit Gesamtkosten von 3 Millionen Euro. Zweidrittel werden wir aus einem langjährigen Spendentopf der Benediktiner der Abtei Königsmünster für Kilimahewa, ursprünglich angelegt von Pater Helmut, bekommen. Eine Million müssen wir selbst schultern. Aber es muss nicht alles in einem ersten Bauabschnitt fertig sein und wir glauben fest daran, dass wir diesen Traum verwirklichen können. If you can dream it you can do it!





So bleibt mir nur euch allen eine friedvolle Advents- und Weihnachtszeit zu wünschen! Ich sage Vergelts Gott zu jeder Spende, ob klein oder groß, alles trägt dazu bei den Ärmsten ihr Leben zu verbessern und eine Zukunft für die Kinder zu schaffen.



Und zum Schluss noch eine Weihnachtsbotschaft an meinen Freund Manfred Zollner, dem Gründer der Weltfirma Zollner Elektronik AG: Bei einem Bier habe ich Bischof Henry gesagt, dass Manfred mich
bei seiner jüngsten großherzigen Spende schmunzelnd gefragt hat „Meinst du schon, dass mir das einmal angerechnet wird?“ Und der Bischof hat einen tiefen Schluck Safari Bier genommen und
geantwortet: „Sag ihm, das wird ganz bestimmt angerechnet! Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!“. Ganz so ernst hat Manfred das ja nicht gemeint, aber der Bischof
schon!
Euer Franz Xaver Hirtreiter
Future for Children gGmbH
Spendenkonto IBAN DE63 7402 0100 0008 1219 15